Ein Hund zum Spielen, eine Katze zum Kuscheln oder ein Kaninchen im Kinderzimmer: Viele Kinder wünschen sich ein eigenes Haustier. Haben Kinder Allergien oder besteht in der Familie ein erhöhtes Allergierisiko, sind Eltern jedoch häufig unsicher. Kann ein Haustier eine Allergie auslösen? Müssen Familien vorsichtshalber auf Hund und Katze verzichten?
So einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Der Kontakt mit Haustieren führt nicht automatisch dazu, dass ein Kind eine Allergie oder Asthma entwickelt. Gleichzeitig können Tiere Allergene verbreiten und bei bereits betroffenen Kindern Beschwerden auslösen. Deshalb ist es wichtig, zwischen der Vorbeugung einer Allergie und dem Umgang mit einer bereits bestehenden Tierallergie zu unterscheiden.
Lösen Haustiere bei Kindern Allergien aus?
Hunde und Katzen können Allergene in ihrer Umgebung verteilen. Anders als der häufig verwendete Begriff „Tierhaarallergie“ vermuten lässt, sind dabei nicht die Haare selbst das eigentliche Problem. Allergieauslösende Eiweiße können beispielsweise aus Hautschuppen, Speichel oder anderen Ausscheidungen stammen. Sie gelangen auf das Fell und verteilen sich anschließend in der Wohnung.
Ob ein Kind eine Allergie entwickelt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die erbliche Veranlagung und verschiedene Umwelteinflüsse. Deshalb lässt sich aus dem Zusammenleben mit einem Haustier allein nicht ableiten, ob ein Kind später eine Allergie entwickeln wird.
Auch die Annahme, Kinder müssten möglichst wenig mit möglichen Allergenen in Kontakt kommen, um Allergien zu verhindern, gilt in dieser pauschalen Form nicht mehr.

Haustiere vorsorglich meiden? Das ist meist nicht notwendig
Eltern müssen Hunde und Katzen nicht grundsätzlich aus dem Familienleben verbannen, nur um einer möglichen Allergie beim Kind vorzubeugen.
Nach der aktuellen deutschen S3-Leitlinie zur Allergieprävention soll die Haltung von Hunden oder Katzen bei Menschen ohne erkennbar erhöhtes Allergierisiko nicht eingeschränkt werden. Für andere Haustierarten lässt sich aufgrund der vorhandenen Daten keine allgemeine Empfehlung zur Vorbeugung von Allergien und Asthma geben.
Ein Haustier sollte allerdings auch nicht gezielt angeschafft werden, weil Eltern sich davon einen Schutz vor Allergien versprechen. Zwar weisen Studien teilweise auf einen Zusammenhang zwischen frühem Tierkontakt und einem geringeren Allergie- oder Asthmarisiko hin. Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass ein Haustier Kinder zuverlässig vor Allergien schützt.
Hund und Katze werden unterschiedlich beurteilt
Bei der Allergieprävention gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Hunden und Katzen.
Die Hundehaltung während der ersten Lebensjahre zeigte in verschiedenen Untersuchungen eher einen schützenden Zusammenhang hinsichtlich der späteren Entwicklung von Allergien und Asthma. Familien mit einem erhöhten Allergierisiko wird deshalb nicht grundsätzlich von einem Hund abgeraten.
Bei Katzen ist die Studienlage weniger eindeutig. Besteht in einer Familie ein erhöhtes Allergierisiko oder hat das Kind bereits Neurodermitis, wird von der Neuanschaffung einer Katze eher abgeraten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine bereits vorhandene Katze automatisch abgegeben werden muss. Für die Abschaffung eines bereits im Haushalt lebenden Haustieres allein zur Vorbeugung einer Allergie gibt es keine ausreichenden Belege.

Was bedeutet ein erhöhtes Allergierisiko?
Nicht jedes Kind hat das gleiche Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Eine familiäre Veranlagung spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch bereits auftretende atopische Erkrankungen können bei der Einschätzung berücksichtigt werden.
Eltern sollten deshalb nicht allein aufgrund allgemeiner Empfehlungen entscheiden, wenn ihr Kind bereits Beschwerden zeigt oder in der Familie Allergien eine größere Rolle spielen. In solchen Fällen kann die individuelle Situation ärztlich beurteilt werden.
Ein vorsorglicher Allergietest bei einem vollkommen beschwerdefreien Kind ist dagegen nicht automatisch sinnvoll. Allergietests sollten gezielt eingesetzt und zusammen mit den vorhandenen Beschwerden beurteilt werden. Ein positiver Test allein bedeutet nicht zwangsläufig, dass tatsächlich eine behandlungsbedürftige Allergie vorliegt. Routinemäßige Allergietests bei Kindern ohne Symptome werden daher nicht empfohlen.
Was tun, wenn das Kind bereits auf ein Haustier reagiert?
Anders sieht die Situation aus, wenn ein Kind nach dem Kontakt mit einem Tier regelmäßig Beschwerden entwickelt. Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel:
- häufiges Niesen oder eine laufende beziehungsweise verstopfte Nase
- gerötete, juckende oder tränende Augen
- Husten
- pfeifende Atmung oder Atemprobleme
- Hautreaktionen nach engem Tierkontakt
Solche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Dabei lässt sich untersuchen, ob tatsächlich eine Sensibilisierung gegen das betreffende Tier vorliegt und ob diese für die Beschwerden verantwortlich ist.
Besonders wichtig ist eine Abklärung bei Atemproblemen. Besteht bereits allergisches Asthma und löst der Kontakt mit einem Tier Beschwerden aus, sollte die weitere Vorgehensweise individuell mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Muss ein Haustier bei einer Allergie abgegeben werden?
Eine solche Entscheidung sollte nicht vorschnell getroffen werden. Zunächst muss geklärt werden, ob das Tier tatsächlich für die Beschwerden verantwortlich ist.
Bestätigt sich eine klinisch relevante Tierallergie, ist die Verringerung des Kontakts mit dem auslösenden Allergen ein wichtiger Bestandteil des Umgangs mit der Erkrankung. Wie weit diese Maßnahmen gehen müssen, hängt von der Art und Stärke der Beschwerden ab.
Gerade bei einem Tier, das bereits seit Jahren zur Familie gehört, kann die Entscheidung schwierig sein. Deshalb ist eine individuelle medizinische Einschätzung sinnvoller als eine pauschale Empfehlung.
Sind Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen eine bessere Alternative?
Ein kleines Haustier ist nicht automatisch allergikerfreundlicher als Hund oder Katze. Auch Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und andere Tiere können Allergene freisetzen. Hinzu kommen mögliche Allergene aus Heu, Einstreu, Staub oder dem Futter.
Für andere Haustiere als Hunde und Katzen lassen sich derzeit außerdem keine belastbaren allgemeinen Empfehlungen zur Vorbeugung von Allergien und Asthma bei Kindern geben.
Deshalb ist es nicht sinnvoll, beispielsweise einen Hund grundsätzlich durch ein Kaninchen oder Meerschweinchen zu ersetzen, nur weil in der Familie Allergien vorkommen.
Sind Fische oder Reptilien für Allergiker geeignet?
Tiere ohne Fell können eine mögliche Alternative sein, wenn eine Familie trotz einer Tierallergie ein Haustier halten möchte. Sie sind jedoch nicht automatisch die ideale Lösung.
Ein Aquarium bringt beispielsweise zusätzliche Feuchtigkeit in den Wohnraum und muss regelmäßig gepflegt werden. Bei Reptilien kommen besondere Anforderungen an Haltung, Hygiene und Versorgung hinzu. Die Entscheidung sollte deshalb nicht allein davon abhängen, ob ein Tier Fell besitzt.
Wichtig ist vielmehr, welches Tier zur Familie passt, artgerecht gehalten werden kann und bei einem bereits allergischen Kind keine bekannten Beschwerden verursacht.
Vor der Anschaffung eines Haustieres: 5 Fragen für Eltern
Bevor ein neues Haustier einzieht, lohnt sich eine nüchterne Einschätzung der familiären Situation:
- Hat das Kind bereits Beschwerden bei Tierkontakt? Wiederkehrendes Niesen, Augenjucken, Husten oder Atemprobleme sollten vor der Anschaffung abgeklärt werden.
- Besteht ein erhöhtes Allergierisiko? Dann kann insbesondere vor der Anschaffung einer Katze eine individuelle Beratung sinnvoll sein.
- Gab es bereits längeren Kontakt mit der gewünschten Tierart? Beobachtungen aus dem Alltag können wichtige Hinweise liefern, ersetzen aber keine medizinische Diagnose.
- Kann das Tier dauerhaft artgerecht gehalten werden? Zeit, Platz, Kosten und Betreuung gehören ebenso zur Entscheidung wie das Allergierisiko.
- Was passiert, wenn später tatsächlich eine Allergie festgestellt wird? Familien sollten diese Möglichkeit bereits vor der Anschaffung bedenken.
Fazit: Haustiere sind für Kinder nicht grundsätzlich tabu
Die frühere Vorstellung, Familien müssten Hunde und Katzen vorsorglich meiden, um Kinder vor Allergien und Asthma zu schützen, ist zu pauschal. Für Kinder ohne erkennbar erhöhtes Allergierisiko besteht kein Grund, allein zur Allergieprävention auf Hund oder Katze zu verzichten. Trotzdem sollte man bestimmte Regeln für die Hygiene auch hier beachten.
Bei einem erhöhten Allergierisiko ist die Situation differenzierter: Gegen die Haltung eines Hundes spricht aus Sicht der Allergieprävention grundsätzlich nichts, während von der Neuanschaffung einer Katze eher abgeraten wird. Eine bereits vorhandene Katze muss deswegen jedoch nicht automatisch abgegeben werden.
Zeigt ein Kind bereits Beschwerden nach Tierkontakt oder besteht eine bekannte Tierallergie beziehungsweise allergisches Asthma, sollte die Entscheidung für ein Haustier individuell getroffen werden. Ein pauschaler Allergietest vor jedem Haustierkauf ist dagegen nicht erforderlich.
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen immer an qualifiziertes medizinisches Personal.







