Acetylsalicylsäure, kurz ASS, gehört zu den bekanntesten Wirkstoffen gegen Schmerzen und Fieber. Für Erwachsene ist ASS Bestandteil vieler frei verkäuflicher Medikamente. Bei Kindern und Jugendlichen gelten jedoch andere Regeln: Sie sollten ASS bei fieberhaften Erkrankungen nicht ohne ärztliche Anweisung erhalten. Hintergrund ist vor allem das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom.
Eltern sollten deshalb nicht einfach zu einem Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke greifen. Bei Kindern kommt es auf den Wirkstoff, den Anlass und die richtige Dosierung an.
Was ist Acetylsalicylsäure (ASS)?
ASS wirkt unter anderem schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Außerdem hemmt der Wirkstoff die Verklumpung der Blutplättchen. Deshalb wird er bei Erwachsenen auch zur Vorbeugung bestimmter Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt.
Dass ein Medikament für Erwachsene häufig verwendet wird, bedeutet jedoch nicht, dass es auch für Kinder geeignet ist. Bei ASS ist besondere Vorsicht geboten.
Warum sollten Kinder kein ASS gegen Fieber bekommen?
Bei Kindern und Jugendlichen wird ASS mit dem Reye-Syndrom in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, die insbesondere Gehirn und Leber betrifft.
Das Reye-Syndrom kann im Zusammenhang mit Virusinfektionen auftreten. Aus diesem Grund wird davor gewarnt, Kindern und Jugendlichen bei fieberhaften Erkrankungen eigenständig Medikamente mit Acetylsalicylsäure zu geben. Auch aktuelle deutsche Gesundheitsinformationen stufen ASS für Kinder und Jugendliche wegen dieses Risikos als ungeeignet ein.
Wichtig ist dabei: Das Reye-Syndrom ist selten. Das mögliche Risiko ist dennoch ein Grund, bei der Selbstmedikation auf ASS zu verzichten.

Welche Anzeichen können auf ein Reye-Syndrom hindeuten?
Ein Reye-Syndrom kann nach einer Virusinfektion auftreten. Zu den möglichen Symptomen gehören unter anderem wiederholtes oder anhaltendes Erbrechen sowie Veränderungen des Bewusstseins und Verhaltens.
Im weiteren Verlauf können schwere neurologische Beschwerden wie Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit auftreten.
Solche Beschwerden müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders, wenn ein Kind während oder nach einer Infektion ASS erhalten hat und sich sein Zustand auffällig verschlechtert.
ASS steckt nicht nur in klassischen Schmerztabletten
Eltern sollten bei Medikamenten nicht allein auf den Produktnamen achten. Entscheidend ist der enthaltene Wirkstoff.
Auf der Verpackung und in der Packungsbeilage steht, ob ein Arzneimittel Acetylsalicylsäure enthält und für welches Alter es vorgesehen ist. Medikamente aus der Hausapotheke sollten einem Kind daher nicht gegeben werden, ohne vorher zu prüfen, ob der Wirkstoff und die Dosierung für das jeweilige Alter geeignet sind.
Besondere Vorsicht ist bei Präparaten geboten, die eigentlich für Erwachsene gekauft wurden.
Welche Schmerz- und Fiebermittel kommen für Kinder infrage?
Bei Kindern werden zur Behandlung von Schmerzen oder deutlichem Unwohlsein bei Fieber häufig Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt. Welche Mittel geeignet sind, hängt unter anderem vom Alter, Körpergewicht, Gesundheitszustand und der jeweiligen Erkrankung ab.
Auch diese Wirkstoffe dürfen nicht beliebig dosiert werden. Eltern sollten die für das jeweilige Präparat geltenden Dosierungsangaben beachten und bei Unsicherheit ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
Die aktuelle Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen betont außerdem, dass eine medikamentöse Fiebersenkung nicht automatisch notwendig ist. Entscheidend ist insbesondere, wie stark das Kind durch die Erkrankung beeinträchtigt ist.
Fieber muss nicht grundsätzlich gesenkt werden
Fieber ist zunächst eine natürliche Reaktion des Körpers und keine eigenständige Krankheit. Deshalb muss nicht jede erhöhte Temperatur sofort mit einem Medikament behandelt werden.
Wichtiger als die Temperatur allein ist der Allgemeinzustand des Kindes. Trinkt es ausreichend? Ist es ansprechbar? Wirkt es ungewöhnlich teilnahmslos oder stark beeinträchtigt? Gibt es weitere auffällige Beschwerden?
Schmerz- und fiebersenkende Medikamente können sinnvoll sein, wenn ein Kind Schmerzen hat oder deutlich unter der Erkrankung leidet. Eine routinemäßige Gabe nur mit dem Ziel, die Körpertemperatur auf einen normalen Wert zu bringen, ist dagegen nicht grundsätzlich erforderlich.
Gibt es Situationen, in denen Kinder ASS erhalten?
ASS ist bei Kindern nicht unter allen Umständen verboten. Es gibt bestimmte Erkrankungen, bei denen Acetylsalicylsäure auch im Kindesalter medizinisch eingesetzt werden kann. Ein Beispiel ist das Kawasaki-Syndrom.
Das ist jedoch etwas völlig anderes als die eigenständige Behandlung von Fieber oder Kopfschmerzen zu Hause. Wird ASS bei einem Kind aus medizinischen Gründen benötigt, erfolgt die Anwendung nach ärztlicher Entscheidung und mit einer entsprechend festgelegten Dosierung.
Eltern sollten eine ärztlich angeordnete Behandlung daher nicht aufgrund allgemeiner Warnungen vor ASS eigenständig abbrechen.
Schmerzmittel für Kinder: Darauf sollten Eltern achten
Bei der Gabe von Medikamenten helfen einige einfache Regeln, Fehler zu vermeiden:
- Prüfen Sie immer den Wirkstoff und die Altersangaben auf der Packung.
- Geben Sie Kindern keine Schmerzmittel für Erwachsene, ohne die Eignung vorher abzuklären.
- Beachten Sie die Dosierungsangaben des jeweiligen Arzneimittels.
- Verwenden Sie zur Dosierung von Säften die dafür vorgesehene Dosierhilfe.
- Kombinieren oder wechseln Sie Schmerz- und Fiebermittel nicht eigenständig, wenn die richtige Anwendung unklar ist.
- Fragen Sie bei Unsicherheit in der Kinderarztpraxis oder Apotheke nach.
Besonders bei Säuglingen, länger anhaltendem Fieber, starken Schmerzen oder einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
ASS bei Kindern nur nach ärztlicher Anweisung
Acetylsalicylsäure (ASS) ist kein geeignetes Mittel zur eigenständigen Behandlung von Fieber und Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Der Wirkstoff wird mit dem seltenen, aber lebensbedrohlichen Reye-Syndrom in Verbindung gebracht.
Für Schmerzen oder starkes Unwohlsein bei Fieber kommen je nach Alter und Situation andere Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen infrage. Aber auch sie sollten nur in einer für das Kind geeigneten Dosierung verwendet werden.
Muss ein Kind aufgrund einer bestimmten Erkrankung ASS erhalten, gelten andere Voraussetzungen. In diesen Fällen wird die Behandlung ärztlich festgelegt und sollte nicht eigenständig verändert werden.
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen immer an qualifiziertes medizinisches Personal.







